IVM Performance Oktober 2026

Der September! Der Sommer ging weiter.

In diesem Jahr zeigte sich der September überwiegend von seiner spätsommerlichen Seite und der Herbst zog erst langsam ein. Wie schlug sich der deutsche Motorradmarkt beim allmählichen Wechsel von Sommer auf Herbst? Mit dem Ende des Septembers sind auch 3/4 des Jahres rum und der Markttrend hat sich allgemein weiter verfestigt.

Gatzes Marktruf

Der Gesamtmarkt schloss den September mit 16.615 Neuzulassungen und einem erfreulichen Plus von 18,1 % ab. Für das Jahr 2026 verzeichnet das Kraftfahrt-Bundesamt bislang insgesamt 173.137 Neuzulassungen (+24,2%). Auch im September konnte sich die Vespa GTS 310 erneut knapp an der Spitze der meistverkauften motorisierten Zweiräder behaupten und den Dauerbrenner BMW R 1300 GS – wenn auch nur knapp - auf Abstand halten.

 

125er bleiben weiterhin ein echter Verkaufsschlager. Mit einem beeindruckenden Plus von 37,9 % und insgesamt 55.630 Neuzulassungen übertrifft das Segment sämtliche Erwartungen und erreicht bereits Ende September die Prognose für das laufende Jahr.

 

Die Bedeutung der Fahrerlaubniserweiterung B196 für den deutschen Markt hat zwar noch nicht das Niveau wie bei unseren südeuropäischen Nachbarn erreicht, aber sie hat sich mittlerweile zu einer nachhaltigen Stütze entwickelt.

 

Einen ähnlich positiven Trend zeigt der Markt für Großroller. Mit 16.365 Neuzulassungen und einem satten Plus von 30,7 % weist die amtliche Statistik auch in diesem Fahrzeugsegment ein deutliches Wachstum aus.

 

Motorräder tun sich im Vergleich weiterhin schwerer. Zwar steht auch hier ein ordentliches Plus von 16,8 % zu Buche, dieses reicht jedoch noch nicht ganz aus, um das Vorjahresniveau aus den Neu- und Tageszulassungen zu erreichen.

 

Der Gebrauchtmarkt ist ebenfalls ein wichtiger Indikator für die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung der Branche. Betrachtet man ausschließlich die Halterwechsel im Motorrad- und Rollersegment, zeigt sich über die ersten drei Quartale ein leichter Rückgang von 3 % auf insgesamt 407.222 Fahrzeuge, die eine neue Besitzerin bzw. einen neuen Besitzer gefunden haben.

 

Während sich die 125er auf dem Vorjahresniveau bewegen, konnten die Großroller mit einem Plus von 6,1 % sogar deutlich zulegen. Motorräder tun sich dagegen auch auf dem Secondhand-Markt weiterhin schwer. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wurden knapp 15.000 Maschinen weniger verkauft, was einem Rückgang von 5,1 % entspricht.

 

Ein isolierter Vergleich der Gebrauchtmarktentwicklung mit den Neuzulassungen ist allerdings nur bedingt aussagekräftig. Der Gebrauchtmarkt profitierte im vergangenen Jahr von zahlreichen Euro-5-Tageszulassungen, die für einen künstlichen Schub sorgten und somit einen realistischen Vergleich erschweren. Betrachtet man hingegen isoliert nur die Summe aus Neuzulassungen und jungen Gebrauchten (bis zu fünf Jahre), wurden 2026 im Vergleichszeitraum sogar mehr als 22.000 Fahrzeuge zusätzlich abgesetzt.

 

Der Markt zeigt sich somit insgesamt robust, auch wenn sich die Kräfteverhältnisse zwischen den etablierten Marken und den Newcomern zu verschieben beginnen. Dabei werden die etablierten Hersteller nicht nur preislich herausgefordert. Vielmehr dürfte sich der Wettbewerb weiter verschärfen und die Marktanteile künftig stärker auf eine größer gewordene Anzahl von Anbietern verteilen.

 

Der Absatz von Kleinkrafträdern zeigt sich weiterhin solide. Mit einem Plus von 5,2 % und insgesamt 13.457 verkauften Fahrzeugen geht die kleinste Fahrzeugklasse ins letzte Quartal des Jahres. An der Spitze der Modellhitliste steht die Vespa Primavera 50, gefolgt von der elektrisch angetriebenen NIU NQiX 150 und der Piaggio Liberty 50.

 

Warum weichen die IVM-Auswertungen oftmals von den offiziellen Statistiken des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) ab? Diese Frage möchten wir an dieser Stelle noch einmal beantworten: Der IVM berücksichtigt ausschließlich die Einspurfahrzeuge der Klasse L und bezieht lediglich die relevanten Dreiradroller in unsere Auswertungen ein. Das KBA hingegen erfasst stets die gesamte Fahrzeugklasse L. Die unterschiedlichen Schwerpunkte erklären die Abweichungen zwischen den beiden Statistiken.

 

Christoph Gatzweiler ist seit mehr als 25 Jahren Ressortleiter Technik beim IVM und unter anderem zuständig für die Fahrzeugzulassungen und die Statistik.