Die Bundesregierung ist gerade im Reformrausch. Zumindest will sie mit gesetzlichen Änderungen an vielen Stellen – von Steuern bis Gesundheit – Handlungsfähigkeit und Reformwillen demonstrieren. Davon sollen auch potenzielle Führerscheinneulinge profitieren, für die Verkehrsminister Patrick Schnieder in einem ersten Aufschlag vor allem die Kosten für den Pkw-Führerschein senken will. Der IVM unterstützt diese Führerscheinreform ausdrücklich.
Das Kabinett hat diesem Gesetzentwurf auch sehr schnell zugestimmt. Im Bundesrat ist dieser aber in einer ersten Runde Anfang Juli schonmal gescheitert, weil die Länder beispielsweise den Plänen für „Fahrpraxis unter Anleitung“ – Eltern zeigen dem Nachwuchs, wie Autofahren geht – nicht zustimmen wollen. Stattdessen fordern die Ländervertreter nun erst einmal einen wissenschaftlich überwachten Modellversuch. Positive Beispiele von EU-Nachbarn wie Frankreich zählen da nicht. Mit der bedauerlichen Konsequenz, dass es mal wieder dauern dürfte, dass sich etwas ändert.
Der IVM will diese Zeit aber nutzen. Wir fordern ohnehin, dass die Reform schon im ersten Anlauf ganz klar um die A-Klasse erweitert wird. Dazu suchen wir gerade das Gespräch mit Verantwortlichen in den Ländern und dem Bundestag. Unser Positionspapier ist entsprechend formuliert. Statt in Fahrstunden von A1- bis A-Führerschein jedes Mal aus dem nachfolgenden Auto die wenig zum Fahrkönnen beitragenden Anweisungen „An der nächsten Kreuzung bitte links“ mitzumachen, sollten potenzielle Prüflinge nach der ersten A-Stufe unserer Ansicht nach lieber näher an der Erlebniswelt auf dem Motorrad ausgebildet werden. Richtige Blickführung, die passende Linienwahl, der gekonnte Lenkimpuls, entschlossenes Bremsen und sichere Schräglage machen gute und damit sichere Motorradfahrerinnen und -fahrer aus. Wir meinen, dass sich durch verpflichtende Trainings oder wirklich motivierte und ausgebildete Fahrerlehrer im A-Aufstiegsszenario die Unfallzahlen gerade bei Anfängern weiter senken lassen und das Ganze deutlich günstiger geht, als es heute der Fall ist. Zu den aktuellen Kosten haben wir uns in einer repräsentativen Umfrage ein Bild gemacht und stellen die Ergebnisse hier in der Performance vor.
Dass das motorisierte Zweirad bei den Menschen immer besser ankommt und als echte Alternative zum Auto gesehen wird, unterstreichen die neusten Führerscheinzahlen, die wir in diesem Newsletter ebenfalls entsprechend einordnen. Wer ernsthaft möchte, dass sich die Mobilität in eine nachhaltigere Richtung entwickelt, sollte alles daransetzen, dass dieser Trend weiter Fahrt aufnimmt und das motorisierte Zweirad einen prominenten Platz in den Überlegungen zur individuellen Mobilität von Morgen bekommt. Auch hier können wir von unseren Nachbarn lernen, sollten zügig ans Werk gehen und auf breiter Basis Reformen dann auch schleunigst umsetzen.
Michael Sommer Uwe Seitz
IVM-Präsident IVM-Hauptgeschäftsführer