Plus 32,2 Prozent im Vorjahresvergleich sieht erstmal wieder recht gut aus, aber der Juni hatte eben auch 22 Zulassungstage. Das macht 4 Tage mehr als der kurze Mai und 2 Tage mehr als der Juni aus dem letzten Jahr. Das relativiert den Monatsabschluss ein wenig.
Ganz so ernüchternd, wie das Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball WM in den USA, war das erste Halbjahr 2026 dann aber doch nicht. Mit 27,7 Prozent ist für den Gesamtmarkt die Zielmarke für den Jahresabschluss von 190.000 Neuzulassungen noch in Sichtweite.
Das erste Halbjahr wird jedoch vor allem vom starken Absatz bei den Leichtkrafträdern getragen. Ein amtliches Plus von 44,2 Prozent deutet darauf hin, dass im Vergleich zum Vorjahr einiges nachgeholt wurde. Während die Fußballstimmung in Italien derzeit kaum besser ist als hierzulande, gibt es zumindest für die italienische Kultmarke Vespa dennoch Grund zur Freude: Mit den Modellen GTS 125 und Primavera 125 belegen gleich zwei ihrer Roller die Spitzenplätze in der Modellhitliste der 125er.
Rückenwind erhält das Segment weiterhin durch die anhaltende Beliebtheit der Führerscheinerweiterung B196. Ähnlich wie in anderen europäischen Ländern entwickeln sich diese Kunden zu einem festen Bestandteil im Neuverkauf, Service und Zubehör.
Die großen Roller erweisen sich bereits seit Längerem als stabile Größe im Markt. Allerdings sind inzwischen rund 62 Prozent der Käufer älter als 55 Jahre. Das muss keineswegs ein Nachteil sein – im Gegenteil: Es ist gut vorstellbar, dass viele Zweiradenthusiasten mit zunehmendem Alter vom Motorrad auf einen Großroller umsteigen. Zumal diese Fahrzeuge immer leistungsfähiger werden. Hubräume von 350 cm³ und mehr sind längst eher die Regel als die Ausnahme. Entsprechend überzeugen die Fahrleistungen nicht nur im Stadtverkehr und in Ballungsräumen, sondern auch auf beliebten Landstraßen.
Spannend wird sein, wie sich dieses Segment entwickelt, wenn die Mehrheit der Babyboomer-Generation – bekanntlich besonders motorradverrückt – ein Alter erreicht hat, in dem Komfort und einfache Handhabung stärker in den Vordergrund rücken. Wird es dann noch einmal einen spürbaren Schub hin zu den leicht zu bedienenden Rollern geben, wenn das Alter doch langsam einen kleinen Tribut einfordert, aber nicht alle komplett auf das Zweirad verzichten wollen?
Das kleine Sorgenkind bleiben auch nach einem leicht verbesserten Juni die Motorräder. Mit +20,7 Prozent wird es eng beim Vorjahresvergleich. Natürlich nur, wenn man die Summe aus Neuzulassungen und Tageszulassungen als Maßstab heranzieht. Somit läge die Messlatte bei ca. 118.000 Einheiten. Das könnte sportlich werden.
Dynamisch entwickeln sich dagegen die chinesischen Hersteller. Im Motorradsegment haben sie erstmals die Marke von zehn Prozent Marktanteil überschritten. Während Produkte aus dem Reich der Mitte in vielen europäischen Nachbarländern schon eine ganze Weile zu den etablierten Größen zählen, gewinnen sie nun auch in Deutschland sichtbar an Bedeutung – selbst in einem Motorradmarkt, der traditionell stark von Markenimage und Emotionen geprägt ist.
Der Gebrauchtmarkt verzeichnet erwartungsgemäß einen Rückgang von 4,1 Prozent. Diese Entwicklung kommt nicht überraschend, da im vergangenen Jahr zahlreiche Euro-5-Fahrzeuge mit Tages- und Kurzzeitzulassungen verkauft worden sind. Mit der Zulassung auf den Kunden gelten diese Fahrzeuge – selbst, wenn sie noch keinen Kilometer gefahren sind – offiziell als Gebrauchtfahrzeug.
Christoph Gatzweiler ist seit mehr als 25 Jahren Ressortleiter Technik beim IVM und unter anderem zuständig für die Fahrzeugzulassungen und die Statistik.