„Sommer, Sonne, Kaktus“ sang Helge Schneider im Juli 2013. An Sommer und Sonne hat es uns auch in diesem Juli definitiv nicht gefehlt. Kakteen hingegen bleiben wohl eher etwas für Liebhaber. Die 23.167 Neuzulassungen im Juli haben dabei weniger mit reiner Liebhaberei zu tun. Denn der Monat reiht sich nahtlos in die Serie der zulassungsstarken Juli-Monate der vergangenen Jahre ein. Mit einem Plus von 11,1 Prozent gegenüber dem – zugegebenermaßen schwierigen – Vorjahresmonat liegt das Ergebnis auf dem Niveau der guten Jahre nach Corona.
Der Gesamtmarkt legt mit einem guten Plus von 24,5 Prozent auf insgesamt 137.491 Fahrzeuge zu. Es ist noch gar nicht so lange her, da stellte dieses Niveau das Jahresendergebnis dar. 2014 schloss mit gerade mal 140.000 Neuzulassungen ab. Der Markt in Deutschland ist die letzten 10 Jahre ordentlich gewachsen.
Der Verkauf von Leichtkrafträdern und -rollern läuft in diesem Jahr wirklich überraschend gut. 42.491 Fahrzeuge (+39,4 Prozent) haben ein neues zu Hause gefunden. Zum Vergleich: Vor der Einführung des B196 machten die 125er gerade einmal knapp 22 Prozent des Gesamtmarktes aus. Heute ist schon fast jedes dritte neu zugelassene Fahrzeug eine 125er. Dabei haben die Roller mit 53,5 Prozent leicht die Nase vor den Motorrädern vorn. Und auch ein Blick nach Süden zeigt, wie wichtig dieses Segment geworden ist: In Südeuropa sind Leichtkrafträder und -roller mittlerweile eine der wichtigsten Stützen der Märkte.
Auch wenn sich der Motorradabsatz in diesem Jahr etwas schwertut, so ist Deutschland nach wie vor ein Motorradland. Teilt man den Markt unabhängig vom Hubraum in Motorräder und Roller, so kommen drei Motorräder auf einen Roller. Große Motorräder liegen mit 82.334 und einem Plus von 17,6 Prozent zwar immer noch leicht hinter dem Markttrend, aber zumindest war der Juli mit 12.431 Neuzulassungen hier solide.
Wie sieht es eigentlich mit der Gunst der weiblichen Käuferschaft aus? Für diese Analyse betrachten wir immer den Gesamtmarkt – allerdings ohne gewerbliche Zulassungen. Es geht also nur um Zulassungen auf natürliche Personen, wie es im Amtsdeutsch so schön heißt.
Bei den Motorrädern liegt der Anteil der Frauen in diesem Jahr bei 15,7 Prozent, bei den Rollern bei 17,4 Prozent. Einen wirklich großen Unterschied macht es für die Damen also nicht, ob es ein Roller oder ein Motorrad sein soll. Insgesamt wurden in diesem Jahr 18.463 neue Fahrzeuge auf Frauen zugelassen.
Spannend wird es beim Blick auf die beliebtesten Modelle: Gleich zwei Roller schaffen es aufs Siegertreppchen. Am meisten Zuspruch bei den Frauen findet die Vespa Primavera 125.
Insgesamt liegt der Frauenanteil in diesem Jahr bei 16,2 Prozent. Seit der Einführung des B196 ist er damit zumindest leicht gestiegen – von 14,4 Prozent auf heute 16,2 Prozent. Der B196 dürfte dabei eine wichtige Rolle spielen: Immerhin rund 25 Prozent der B196-Erweiterungen des Pkw-Führerscheins entfallen auf Frauen.
Der Fahrzeugbestand weist zum Stichtag 01.01.2026 fast 675.000 Halterinnen aus.
Abschließend lässt sich aber ernüchternd feststellen, dass der Frauenanteil bei Neuzulassungen, im Gebrauchtsektor und dann folgend auch im Bestand sich seit gefühlten Ewigkeiten nicht groß verändert hat. Woran mag es liegen?
Christoph Gatzweiler ist seit mehr als 25 Jahren Ressortleiter Technik beim IVM und unter anderem zuständig für die Fahrzeugzulassungen und die Statistik.